Immobiliennachfrage

Betongold mit Schrammen

Von Karl Heinz Möller · 2020

In Phasen schwächelnder Börsen fällt der Blick schnell auf die Durchschnittsrenditen, die immobile Güter wie Häuser, Büros und Grundstücke erzielen. Gründe dafür sind die attraktiven Renditen sowie die absolute Nähe zu den Lebensumständen der Menschen. Die Rede ist von Investoren, Privatanlegern, Stadt- und Landschaftsplanern, Erbauern, Eigentümern oder Mietern. Nun hat das Corona-Virus auch diesen Markt erreicht und infiziert die Renditen.

Riss in einer Betonwand
Foto: iStock/Liia Galimzianova

Wenn die Auswirkungen des Coronavirus zurückgehen und Normalität einkehrt, wird eine Tatsache wieder in den Vordergrund treten, an der sich auch durch die Krise wohl nichts ändern wird: Neuer Wohnraum ist rar und dringend erforderlich! Vor allem in und um die Städte muss weiterhin viel gebaut werden, um der immensen Nachfrage Herr zu werden. Dafür wird auch nach dem Überfall von Covid-19 eine starke Bau- und Immobilienindustrie dringend gebraucht. 

Wohnungs- und Immobiliennachfrage bleibt hoch

Die Immobilienbranche wurde, anders als etwa die Autoindustrie, mitten in einer wirtschaftlichen Boomphase mit der Krise konfrontiert. Damit hat sie ein solides Polster – sowohl an Umsätzen als auch an Auftragsreserven. Ein kompensierender Effekt ist hier absolut denkbar. 

Der Neubaumarkt ist ein Investitionsmarkt, der von langfristigen Projektplanungen geprägt ist. Damit ist dieser Markt nicht ganz so schnell zu verunsichern wie beispielsweise klassische, kurzfristige Konsummärkte. Die Auswirkungen der Pandemie auf Wohnungsinvestments und wohnungswirtschaftliche Projektentwicklungen werden im Vergleich zu anderen Assetklassen vergleichsweise gering sein, sagt André Adami, Bereichsleiter Wohnen des Analyseunternehmens Bulwiengesa.

Nicht zuletzt wegen der Verpflichtung zur langfristigen Planung müssten Immobiliengesellschaften im Tagesgeschäft flexibel denken und handeln. Plötzliche, witterungsbedingte Verzögerungen auf der Baustelle oder amtliche Verfahren, die sich in die Länge ziehen, forderten immer wieder die Anpassungsfähigkeit der Initiatoren heraus. So müssen Projektplanungen seit jeher mit hinreichenden zeitlichen Puffern arbeiten. Diese Fähigkeit erweise sich jetzt in der Corona-Krise als besonders vorteilhaft.

Bauzinsen bleiben voraussichtlich niedrig 

Eine weitere geldpolitische Maßnahme dürfte hier insbesondere der Baubranche zugutekommen: Die EZB (Europäische Zentralbank) wird den Leitzins aller Voraussicht nach nicht anheben. Es ist sogar gut möglich, dass sie ihn noch weiter senkt. Das kommt nicht nur Unternehmen im Allgemeinen, sondern auch vor allem der Immobilienwirtschaft zugute: Zinsen bleiben niedrig und Baufinanzierungen günstig.

Gefahren lauern, wenn auf breiter Front die Nachfrage nach Wohneigentum erodiert, weil die Einkommen wegbrechen oder die Arbeitslosigkeit sprunghaft steigt. Dann könnten Käufer hohe Kredite nicht mehr finanzieren, Häuser würden schwerer zu verkaufen sein, manche Besitzer müssten sich vielleicht sogar zwangsweise vom Eigenheim trennen. In einem solchen Szenario würde dies unweigerlich die Preise drücken.

Doch soweit müsste es erst einmal kommen, bevor es spürbare Preisrückgänge gäbe. Eher spricht zurzeit vieles dafür, dass Häuser und Wohnungen in einer neuen Finanzmarktkrise noch mehr zur Fluchtwährung mutieren könnten. Der im Volksmund entstandene Begriff „Betongold“ kommt nicht von ungefähr.

Jan Wedemeier vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) verweist auf eine weitere Besonderheit: Der Trend zur Individualisierung bleibe weiterhin Treiber am Wohnungsmarkt und halte die Nachfrage konstant hoch. Das Institut erwartet durch die Corona-Krise insgesamt lediglich „kleinere Korrekturen“ für die Immobilienbranche.

Quellen:
www.ivd.net
www.hwwi.org
www.bulwiengesa.de/de/studien

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